Nam June Paik Award 2018

Nam June Paik Award 2018

2018 wurde der 9. Nam June Paik Award der Kunststiftung NRW verliehen. Die den Preis begleitende Ausstellung der im Zweijahres-Rhythmus verliehenen Auszeichnung wird jeweils in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Kunstinstitutionen in Nordrhein-Westfalen ausgerichtet: Als Kooperationspartner für 2018 konnte der Westfälische Kunstverein in Münster gewonnen werden.
Auf der Shortlist standen die Künstler:innen Andreas Angelidakis (*1968, GR, lebt in Athen), Melanie Bonajo (*1978, NL, lebt in Amsterdam), Antoine Catala (*1975, F, lebt in New York), Hanne Lippard (*1984, GB, Nationalität NO, lebt in Berlin) und Sondra Perry (*1986, USA, lebt in New York).

 
Die Jury bestehend aus Karen Archey, Kuratorin für Gegenwartskunst und zeitbasierte Medien, Stedelijk Museum, Amsterdam; Mark Beasley, Kurator für Medienkunst und Performance, Hirshhorn Museum, Washington; Mélanie Bouteloup, Direktorin Bétonsalon – Center for Art and Research, Paris; Katerina Gregos, Freie Kuratorin und Autorin, Brüssel; sowie Krist Gruijthuijsen, Direktor KW Institute for Contemporary Art, Berlin, entschied im Westfälischen Kunstverein in Münster über die Gewinnerin des mit 25.000 Euro dotierten Preises der Kunststiftung NRW.
 

Preisträgerin 2018
Sondra Perry

Sondra Perry, Photo: Hubertus Huvermann
Sondra Perry, Photo: Hubertus Huvermann

Sondra Perry (*1986, Perth Amboy, New Jersey) graduierte an der Columbia University, New York und studierte an der Skowhegan School of Painting and Sculpture in Madison, Maine. Zu ihren Einzel-
ausstellungen zählen "Typhoon coming on", Serpentine Sackler Gallery, London, 2018, "Eclogue for [in]habitality", Seattle Art Museum, 2017 und "Resident Evil", The Kitchen, New York, 2016. Sie setzt sich in ihren Videoarbeiten, Skulpturen und Installationen kritisch mit dem Konstrukt von Blackness auseinander. Oftmals ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung untersucht sie die Repräsentation, die Narrative und Vorstellungen von und über schwarz-amerikanische Identitäten und Lebenswelten. Hierbei gilt ihr besonderer Fokus dem Zusammenhang zwischen neuen Technologien und der Darstellung und Selbstvergewisserung von Identitäten darin.

 
Jurybegründung:

"Perry stach insbesondere durch ihre vielschichtige Auseinandersetzung mit Subjektivität und technologischer Repräsentation durch 3DAnimation hervor. Ihre Videoinstallation "It's in the Game' 17" (2017) spinnt ein Narrativ, das auf dem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Zwillingsbruder beruht – dessen Abbild wurde von EA Sports-Spiele unrechtmäßig für ein animiertes Basketballspiel verwendet. Perrys Bruder, ein ehemaliger unbezahlter Basketballspieler für die Georgia Southern University, begleitet sie auf einen Ausflug in das Metropolitan Museum. Hier besichtigen sie die ethnografische Sammlung, die sich an afrikanischen, nahöstlichen und südamerikanischen Kulturen bereicherte. Perrys Arbeit thematisiert, wie schwarze Körper als öffentlicher Rohstoff ohne Entschädigung der betreffenden Personen angeeignet werden und stellt Fragen hinsichtlich der kommerziellen Ausbeutung des eigenen digitalen Abbilds durch Avatare. Sie kritisiert die Diskrepanz zwischen dem physischen Erleben und Verständnis kultureller Artefakte und ihrer digitalen Repräsentation. Indem Perry auf das ethnografische Museum und die Appropriation des Abbildes ihres Bruders durch ein Unternehmen verweist, spannt sie darüber hinaus einen Bogen zwischen den kolonialen und imperialistischen Wurzeln dieser Geschichte und ihren anhaltenden, gegenwärtigen Auswirkungen.
Überdies möchte die Jury den nominierten Künstler:innen Andreas Angelidakis, Melanie Bonajo, Antoine Catala und Hanne Lippard zu der herausragenden Qualität ihrer Arbeiten gratulieren. Ihre hervorragenden Beiträge waren Gegenstand einer angeregten Diskussion unter den Jurymitgliedern. Sie wünschen ihnen für ihre zukünftigen Unternehmungen nur das Beste."

Visuelle Kunst

Die Förderung der besonderen Vielfalt der Kunst hoher Qualität in und aus Nordrhein-Westfalen zeichnet den Bereich der Visuellen Kunst der Kunststiftung NRW aus. Dabei stehen die Konzeption und Realisierung von neuen Ideen ebenso wie nachhaltige Formate im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.

Durch die Vergabe von Stipendien und Residenzen stärken wir freie und nachhaltige Arbeitsformen sowie die regionale und internationale Vernetzung einer lebendigen Kunstszene. Mit der Unterstützung von Produktionen, Neuproduktionen und Publikationsvorhaben, Ausstellungen und anderen Vorhaben in beispielsweise Museen, kleineren Ausstellungshäusern und Kunstvereinen fördern wir diejenigen, die sich wegweisend mit gegenwärtigen und relevanten Themen in außergewöhnlichen Formaten auseinandersetzen. Sie formen damit die Kunstlandschaft Nordrhein-Westfalens und ermöglichen ihre Weiterentwicklung. Unser besonderer Fokus liegt dabei auch auf der langfristigen Professionalisierung und Etablierung junger Kunstschaffender.
 

  • Förderung
    • Allgemeine Vorhaben

      Für allgemeine Vorhaben gilt grundsätzlich das folgende Antragsverfahren.
      Künstler:innen unter 40 Jahren und unabhängige Projekträume können ihre Anträge ausschließlich über das Antragsverfahren Junge Szene einreichen.

    • Stipendien
      • Visuelle Kunst
        Antragsverfahren
        Arbeits- und Recherchestipendien

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    • Junge Szene

      Die "Junge Szene" unterstützt herausragende, experimentelle und transdisziplinäre künstlerische Ideen junger Kunstschaffender aus Nordrhein-Westfalen bis zu einem Alter von 40 Jahren sowie unabhängige Projekträume.

      Die Initiative hat sich als ein einzigartiger Katalysator für junge Kunstschaffende und für die Museums- und Ausstellungslandschaft in NRW erwiesen. Durch unsere Förderung konnten sich Ausstellungsräume NRW-weit etablieren, haben sich Arbeitsstipendien im In- und Ausland ergeben, Werkkomplexe realisiert und lange Partnerschaften mit Kunstschaffenden und Initiatoren entwickelt.

    • Residenzen
      • Atelier Galata, Istanbul

        Die Kunststiftung NRW vergibt ein Residenzstipendium im Bereich Visuelle Kunst in Istanbul.

        Ziel des Stipendiums ist es, die Kunstszene vor Ort kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen und diese Impulse nach der Rückkehr in die jeweiligen Arbeitskontexte in Nordrhein-Westfalen einzubringen. Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Kunstschaffende mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und erste Berufserfolge vorweisen können.
         

      • Bronner Residency, Tel Aviv

        Die Bronner Residency ermöglicht Kunstschaffenden aus NRW einen sechsmonatigen Aufenthalt in einem Wohnatelier in Tel Aviv.

        Ziel des Künstler:innenaustausches ist es, die jeweiligen Fragestellungen und Entwicklungen der Kunstszene vor Ort kennenzulernen, Kontakte aufzunehmen, zu vertiefen und neue Ansätze im künstlerischen Schaffen umzusetzen. Zudem möchte die Bronner Residency dazu anregen, produktionsungebunden und frei zu experimentieren. Damit tragen wir dazu bei, praktikable und faire Arbeitssituationen für Auslandsstipendien in der bildenden Kunst zu etablieren. Bereits seit 2008 unterhält die Kunststiftung NRW den bedeutenden Kulturaustausch zwischen Düsseldorf und Tel Aviv mit ihren Partnern, der Dan und Cary Bronner-Stiftung in Düsseldorf, dem Goethe-Institut Tel Aviv und den Artists’ Studios, Tel Aviv.
         

  • Stiftungsinitiativen

    • Nam June Paik Award

      Mit diesem Preis zeichnen wir die Arbeit internationaler Künstler:innen mit experimentellem Ansatz und medienbasierten Konzepten aus.

      Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung ist nach dem vor allem für Nordrhein-Westfalen wegweisenden Medienkünstler der ersten Stunde, Nam June Paik, benannt und wurde erstmals 2002 vergeben.
       

    • Residence NRW+

      Stipendien für bildende Künstler:innen und Kurator:innen an einem gemeinsamen Residenzort in Münster

      Gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fördert die Kunststiftung NRW die Residence NRW+, ein Programm für besonders begabte junge Kunstschaffende der bildenden Gegenwartskunst.
      Pro Jahr werden vier zwölfmonatige Stipendien in Höhe von 1.450 Euro für bildende Künstler:innen bis zu einem Alter von 40 Jahren aus NRW oder mit NRW-Bezug sowie vier sechsmonatige Stipendien für Kurator:innen vergeben. Der Residenzort bietet Räume zum Leben und Arbeiten. Über die Stipendienvergabe entscheiden wechselnde Fachgremien. Das Stipendienprogramm ist an die Kunsthalle Münster angegliedert.

      Zum Bewerbungsverfahren:
      https://www.residencenrw.de/de/ausschreibung/

       

    • Publikationen

      Im Bereich der Visuellen Kunst fungiert die Kunststiftung NRW als Herausgeberin oder Initiatorin von Publikationen, die initiativ entstehen oder unmittelbar aus Förderprojekten der Stiftung hervorgehen.